Denkmal

Sehr geehrte Panketaler,
im Frühjahr 2009 begann innerhalb der Gemeindevertretung Panketals eine Diskussion zur Würdigung des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution von 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands am 03. Oktober 1990. Im Zuge dieser Diskussion entstand die Idee, ein Denkmal aus diesem Anlass zu errichten. Es war zu erwarten, dass diese Diskussion sehr vielstimmig und kontrovers geführt werden würde und so ergab sich in der Sitzung der Gemeindevertretung im Juni 2009, dass eine breite Bürgerbeteiligung zur Gestaltung sinnvoll wäre. Die Gemeindevertretung beschloss daher Folgendes:

„Die Gemeindevertretung von Panketal beabsichtigt, zum Gedenken an den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution von 1989 und der Wiedervereinigung sowie der Gestaltung des Rathausvorplatzes ein Kunstwerk aufzustellen. Das Kunstwerk von Frau Hella Horstmeier und Herrn Dieter Krämer vom Künstlerhof Berlin-Buch ist eine Grundlage zur Bürgerbeteiligung. Zu diesem Zweck wird das Modell im Rathaus aufgestellt, eine neutrale Vorhabensbeschreibung erläutert dieses Vorhaben.Zudem regt die Gemeindevertretung an, an geeigneten Orten mit historischem Bezug Gedenktafeln anzubringen. 
Die Gemeindevertretung entscheidet über diese Vorhaben in ihrer Oktobersitzung.“

In Umsetzung dieses Beschlusses ist auf dieser Homepage die Rubrik Aktuelles > Debatten > Denkmal eingerichtet worden. Hier besteht die Möglichkeit für alle interessierten Panketaler sich mit entsprechenden Beiträgen an der Diskussion zu beteiligen. Außerdem ist das Kunstwerk von Frau Horstmeier und Herrn Krämer, welches eine Grundlage einer möglichen Gestaltung darstellt, während der regulären Öffnungszeiten im Foyer des Rathauses zu besichtigen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist keinerlei Vorentscheidung über den Standort, die Gestaltung und die Inschrift des Denkmals getroffen worden. Die Diskussion soll dazu dienen, auf breit möglichster Basis eine Auseinandersetzung mit diesem Datum und seiner Interpretation zu ermöglichen.

Bitte beteiligen Sie sich also rege an der Debatte. Beiträge richten Sie bitte per E-Mail an Frau Jansch (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder per Post an Gemeinde Panketal, Büro Bürgermeister, Stichwort: Denkmal,  Schönower Straße 105, 16341 Panketal. Auch Skizzen und Fotos können mitgesandt werden. Die Beiträge werden dann hier für Jedermann sichtbar online gestellt.

Mit freundlichen Grüßen

R. Fornell, Bürgermeister, 1. Juli 2009


Modell Denkmal
Modell des im Rathaus ausgestellten Denkmals von Frau Horstmeier und Herrn Krämer.



Aktualisiert am 22.7.2009, Fornell


Beitrag von Herrn Dr. Doernberg, eingestellt am 26.10.2009

Mit viel Interesse habe ich auf der Hompage der Gemeinde die Beiträge zur Gestaltung des Rathausvorplatzes gelesen. Meine volle Zustimmung finden jene Bürger, die dort einen Brunnen oder Wasserspiele installieren wollen, quasi als Pendant zum Namen unserer Gemeinde Panketal. Wasser, Feldsteine und eine ansprechende gärtnerische Gestaltung, das wären die unserer Gemeinde zukommenden Attribute, nicht aber hochfliegende historische Bezüge auf gesellschaftliche Veränderungen, die weiß Gott nicht von Zepernick und Schwanebeck ausgegangen sind.
 
Ich bin überzeugt, dass mit der Inschrift auf dem Gedenkstein im Dorfanger der deutschen Einheit mit aller uns zukommenden Bescheidenheit gebührend gedacht wird. Dabei sollte es auch bleiben.
 
Richtig finde ich auch den Gedanken, die Bürger unserer Gemeinde in den Entscheidungsprozess breit einzubeziehen. Also keine freihändige Vergabe an die Künstler Horstmeier und Krämer, die gerade mal ein vorrätiges Säulenfragment des Berliner Doms (wo liegt hier eigentlich die Symbolik?) günstig vermarkten wollen 
 
Und noch eine Empfehlung will ich an unsere Gemeindevertreter geben. Einheimische Materialien sind bestimmt preisgünstiger einzusetzen. Es muss nicht immer Marmor sein, wo
 Feldsteine einen viel innigeren Bezug zu unserer Heimat bieten. Weit effektiver sind unsere begrenzten finanziellen Mittel eingesetzt für unsere Kinder und Jugendlichen, also für unser aller Zukunft.


Beitrag von Herrn Kaltenbach (Berliner Künstler - Organisator der Bildhauerworkshops "Steine ohne Grenzen), eingestellt am 21.10.2009
Konzept für
Steine ohne Grenzen VIII
Intern. Bildhauersymposionin Panketal
 
Der Symposionsgedanke ist einer der wesentlichsten Inhalte im gemeinsamen Arbeiten verschiedener Künstler und Künstlerinnen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander. Ein Symposion mit internationalem Charakter gibt Künstlern und Künstlerinnen und Besuchern des Symposions die Möglichkeit des kulturellen Austauschs. Die eingeladenen Künstler und Künstlerinnen werden eine weltoffene, grenzüberschreitende tolerante und zueinander gewandte Position durch ihre künstlerische Arbeit dokumentieren. Das Konzept ist besonders darauf ausgerichtet in Völkerverständigung Zeichen zu setzen. Die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler bilden eine Linie der Völkerverständigung. Gespräche, Ausstellungen und Diskussionen mit den Besuchern des Symposions begleiteten die Arbeit. Möglich sind auch begleitende Veranstaltungen, wie Musik, Theater, Performance u.s.w.
Künstler und Künstlerinnen gestalten und erarbeiten ein gemeinsames
Denkmal zur Einheit, Brunnenskulptur
Die Künstler und Künstlerinnen lassen sich während des gesamten Prozesses über die Schulter schauen. Die Bürger nehmen Anteil am Entstehen des Werkes. Wichtig ist das gemeinsame Erarbeiten des Denkmals und das gemeinsame Leben in der Zeit des Symposions.
Dauer 6 Wochen
Weg: zur Aufgabe wird gestellt, innerhalb eines Symposions ein Denkmal für die Einheit zu erstellen, die einzelnen internationalen sowie nationalen Künstler/innen sollen sich mit einer Arbeit als Teil des Einheits-Denkmals vorstellen. Die von der Jury ausgesuchten Arbeiten werden zu einem Gesamtkunstwerk vor Ort in Panketal erstellt. Die Steine sind nach Kontinenten (Fundorten benannt) Granite, Gneise, Findlinge, Kalksandstein, Marmor. Es werden Weißsprudler installiert, aus dem das Wasser als niedrige Fontäne herausschäumt.
Planungsstart 2009
Ausschreibung in den Berufsverbänden, Ausschreibung der Teilnehmer aus dem In-und Ausland als persönliche Einladungen/ Internet/ über Kulturinstitutionen der Länder (Staaten).
Die Ausstellung ist eine Begleitung zum Symposion und über die Dauer des Symposions werden Arbeiten der einzelnen Künstler/innen dort ausgestellt.
Der Brunnen soll ein sinnlich erfahrbarer Ort für Menschen sein, von allen Seiten offen, die Toleranz und Gemeinschaft ausstrahlen, mit der er erschaffen wird.


Beitrag von Müller Bau  - Bauunternehmer und Gründer der BI Denkmal, Name nicht erwähnt, eingestellt am 15.10.2009

Wir sind hier überzeugt, dass zur Auslobung des Denkmals mit Kunstwerk eine vernünftige Ausschreibung gehört. Das gewährleistet einen gerechten Ablauf und ein breiteres Spektrum an Vorschläge ...
So werden öffentliche Gelder durch Klüngel verschleudert!
Jedes Bauunternehmen muss in einen Wettbewerb treten, also verlangt eine solche Vergabe von Geldern dies auch hier, sonst ist das Betrag an der Demokratie, nach der Wahl ein weiteres Desaster und ein Verlust an Mitspracherecht. Wir lehnen diese Vorgehensweise ab und bitten um Stellungnahme des Amtes.


Beitrag von Dr. Hubert Hayek, eingestellt am 28.09.2009

1. Ich bin gegen ein Denkmal für die friedliche Revolution. Die Argumente wurden schon genannt, ich möchte diese noch etwas zuspitzen: Es scheint mir nicht nur ungerechtfertigt, sondern geradezu überheblich, wenn Panketal sich herausnimmt ein Denkmal für ein Ereignis zu setzen, an dem es kaum beteiligt war, schon deshalb, weil es Panketal damals gar nicht gab.
An bestimmten Stellen Erinnerungstafeln zu befestigen, auch unabhängig von Jubiläen und Jahreszahlen, ist eine gute Idee. Zu den 3 vom Bürgermeister genannten Stellen würde ich noch die St Annenkirche hinzufügen.
2. Ich bin für eine freundliche moderne Gestaltung des Rathausvorplatzes, wobei das Wasser - wohl abgeleitet von "unserer" Panke - eine zentrale Rolle spielen sollte.
Als Vorbild dient mir die Kirche von Algund: In der Kirche des kleinen Ortes Algund nahe von Meran in Südtirol fließt ein Bach quer durch die Kirche, die bunten Fenster wirken nur bei entsprechendem Stand der Sonne.
Vielleicht kann man ja junge phantasiebegabte Leute aus unserem Ort dazu gewinnen ein "intelligentes Spiel" der erneuerbaren Energien zu konstruieren: Ein über Steine laufendes Bächlein, in dem z B Kinder durchlaufen, planschen, spielen können mit einem Wasserspiel, das nur funktioniert, wenn ausreichend Energie durch Sonne und/oder Wind geliefert wird. Spielende Kinder betreiben ein Rad (oder Ähnliches), das wieder das Wasserspiel mit Energie versorgt. Auch der erwähnte Monitor mit aktuellen Bildern/Videos funktioniert nur mit erneuerbaren Energien.- vielleicht kann ja auch Erdwärme hier mitspielen.
Eine Verbindung zum neu gestalteten Bahnhofsgebäude wäre insofern vorstellbar als durch sportliche oder andere mechanische Betätigung erzeugte Energie aus dem Gebäude als zusätzlicher Antrieb für die Installation verwendet wird.
Im Sinne von „Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin“  könnte man unter die Installation am Rathausvorplatz schreiben: „Installiert aus Anlass der friedlichen Änderung in unserem Land und als Demonstration des Neuaufbaus errichtet von BürgerInnen aus Panketal.“. .Jahreszahlen und Namen fakultativ.


Beitrag von Tobias Wilhelm, eingestellt am 10.09.2009
Ich befürworte ausdrücklich das Vorhaben der Gemeindevertretung, das Glück der 
friedlichen Revolution und die Wiedererlangung der Einheit Deutschlands in Freiheit 
und Wohlstand würdigen zu wollen. 
Dass der Anstoß ein Denkmal zu errichten aus den Reihen der Gemeindevertretung 
kommt halte ich allerdings aus folgenden Gründen für kritikwürdig:
Die Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland hat sich gerade in den letzten 60 
bzw. 20 Jahren wesentlich von ihrem Ursprung entfernt, dem verordneten Gedenken. 
Dieses schließt denken und nachdenken meist aus. 
Die jüngsten Beispiele dafür sind die unzähligen Hinterlassenschaften der DDR-
Diktatur und ihres verordneten Antifaschismus, zu Stein gewordene 
„Kranzabwurfstellen“.  
Bestes Beispiel für die Weiterentwicklung unserer Gedenk- und Erinnerungskultur ist 
das Holocaust-Mahnmal im Herzen der deutschen Hauptstadt. Der Anstoß zu dieser 
Gedenkstätte kam aus der Zivilgesellschaft und nicht aus einem repräsentativen  
Gremium. Die Mehrheit der Gemeindevertretung hat diese Problematik erkannt, was  
ich anerkenne und was für die Gemeindevertreter spricht, deshalb heißt es nun also: 
Bürgerbeteiligung. 
Wenn ich die geführte und ausstehende Diskussion innerhalb der 
Gemeindevertretung von außen betrachte und vorwegnehme ist die Prognose, dass 
es nun ein Denkmal geben wird nicht besonders mutig. Einen Panketaler 
Rathausvorplatz ohne ein wie auch immer geartetes Denkmal wird zukünftig selbst 
Geschichte sein. 
Deshalb nun zum Entwurf:
Die vorgesehene Gestaltung durch diverse Natursteine hat mich sofort an die 
Hobrechtsfelder Rieselfelder denken lassen: „Naturpfad Steine ohne Grenzen“. 
Nach der Bemühung meiner Suchmaschine hat sich der Entwurf dann auch als 
denkwürdig bewährt. In den Rieselfeldern sollten sie auch bleiben die Steine, 
kubanischen Granitstein mitverwenden zu wollen ist entweder vermeintlich 
tiefgründig, hoch fahrlässig,  wahrscheinlich einfach nur unbedacht. 
Begrüßenswert erscheint mir neben der Verschönerung des Platzes durch 
Begrünung oder Wasserspiele die Absicht, eine Aufschrift hinterlassen zu wollen. 
Besser geeignet als eine  Stahlplatte im Beton wäre wohl eine Tafel . 
Zur Genese meines unten stehenden Textvorschlages:  
Da der Beitrag der Menschen unserer beiden Ortsteile zur friedlichen Revolution in 
der DDR insgesamt schon aus quantitativen Gründen nicht den Stellenwert 
einnehmen konnte den die Menschen in Leipzig oder Berlin dazusteuerten und unser 
Denkmal sich nach Innen, an die Einwohner Panketals und Besucher des Rathauses 
und Vorplatzes wendet heißt es, sich auf den entscheidenden Gewinn der friedlichen 
Revolution und der Einheit unseres Landes für uns - Einwohner von Panketal - zu 
besinnen.
Die Kommunale Selbstverwaltung.
Die von der demokratischen Nachwende-Volkskammer verabschiedete DDR-
Kommunalverfassung vom 17.Mai 1990 (in Brandenburg abgelöst am 5. Dezember 
1993) sah - als basisdemokratisches Erbe der friedlichen Revolution - 
Bürgerbegehren und Bürgerentscheide vor. In Folge kam es sogar in den alten 
Bundesländern zu einer Welle direktdemokratischer Veränderungen der 
Kommunalverfassungssysteme. In fast allen Ländern wurden nun Bürgerbegehren- 
und Entscheide, sowie die Direktwahl von Bürgermeistern und Landräten eingeführt. 
Die Kommunale Selbstverwaltung gibt den Einwohnern die beste Gewähr sich in die 
Gesellschaft einzubringen, mitgestalten zu können und Demokratie lebendig werden 
zu lassen. Das Recht alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen 
der Gesetzte in eigener Verantwortung zu regeln und durch Diskurs die Gestaltung 
des für die Einwohnerschaft Guten und Erstrebenswerten gemeinsam vorzunehmen. 
Die letzte unfreie Kommunalwahl der DDR im Mai 1989, als Oppositionelle die 
Kandidatenaufstellung kritisierten und als Beobachter in viele Wahllokale gingen und 
die Wahlfälschung veröffentlichten, war der Anfang vom Ende der DDR.  Auch in 
Zepernick war dieses Ereignis eine Initialzündung für die bewegten Bürger.
So rückt die Kommune ins Zentrum der Erinnerung um unser Glück.
Textvorschlag: 
„Die friedliche Revolution der Menschen in der DDR hat die Wiedererlangung der 
Einheit Deutschlands in Freiheit und Wohlstand möglich gemacht. 
Durch diese Leistung können wir seit dem 17.Mai 1990 die Angelegenheiten unserer 
örtlichen Gemeinschaft selbstbestimmt gestalten. Alle Einwohner der Gemeinde sind 
aufgerufen, das von ihnen erstrittene demokratische Recht zu gebrauchen und aktiv 
die Entwicklung unserer örtlichen Gemeinschaft zu begleiten und voranzutreiben.“


Beitrag von Jürgen Fahlbusch, eingestellt am 11.8.2009
Was ist von Panketal gedenkwürdig?
Da fällt mir zuerst Konrad Röntgen ein.
Wir haben ja eine von den beiden deutschen Konrad-Röntgen-Schulen.
Hat Panketal ein Röntgen-Denkmal?
Als Zweites drängt sich "Die Panke" auf. Vielleicht ihre \'Begradigung\' Doch sie fließt nicht nur bei uns. Und: Haben Spree oder Donau ein Denkmal?
Und als Drittes: Wie hieß eigentlich der Initiator für \'Panketal\'?
Ist er gedenkenswürdig?
Dann fällt mir ebenfalls das Brecht-Gedicht von den Teppichwebern ein. (Hallo, Herr Hünger). Kann es uns Panketalern etwas geben? Es sollte.
Ich sehe mich als Tourist am Bahnhof aussteigen. Ich komme zum Rathausvorplatz und gehe zum Denkmal: "Aha, HIER war das. Sieh einmal an, von HIER ging es los." Ist Panketal überheblich? 
Dann sind die 25.000 € wirklich gut angelegt. 
Warum jedoch aus dem Haushalt, ich würde zu einer 5-Euro-Spende aufrufen.
Inschriften werden diskutiert 
z.B. "Wir sind das Volk"! Fühlt sich ein Immigrant angegriffen, wenn das \'Wir\' betont wird? Das sollen vor kurzem Hartz-Vierer gerufen haben, igitt.
z.B. "Einigkeit und Recht und Freiheit"! Finde ich nicht gut, weil die es laut sangen, die in der Nazizeit andere Länder überfielen oder die es singen mussten, die zum Schafott oder in die Gaskammern geführt wurden (negativ besetzt). Wenn es doch sein soll, bitte leicht verändern in "Einigkeit und gleiches Recht und gleiche Freiheit." Das wäre eine dem damaligen Fallersleben adäquate Forderung. 
Mein Vorschlag lautet: "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit"
Weil hier am meisten Anzustrebendes, noch nicht Gegebenes, enthalten ist.
mfg Fahlbusch


Beitrag von Karl Liebscher, eingestellt am 06. August 2009
Den Vorschlag zur Errichtung eines Gedenksteines vor dem Rathaus Panketal halte ich persönlich für keine glückliche Lösung.
Ein Gedenkstein ist immer eine ernste oder sogar traurige Erinnerung, d.h. jedes Mal wenn man in das Rathaus geht, wird derjenige mit dieser Gegebenheit konfrontiert. Meines Erachtens sollten die Menschen jedoch freudig, gern und unbelastet in unser Rathaus gehen. 
Außerdem sitzen die Bürger gern vor dem Kaffee, um sich eine kleine Entspannung zu gönnen und das schöne Wetter zu genießen. Sie möchten dabei jedoch bestimmt nicht ständig an unangenehme Probleme der Vergangenheit erinnert werden. 
Dazu kommt, dass in Panketal bereits ein Denkmal für die gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges in Schwanebeck steht. Eine Gedenktafel in der Kirche in Zepernick erinnert an das gleiche Ereignis. Ein Gedenkstein steht im „Goethepark“ für die Opfer, die während der Naziherrschaft ihr Leben verloren. Ein weiterer Gedenkstein steht in Alt Zepernick auf dem Anger. Dazu kommen in Zepernick die eingelassenen Stolpersteine. All diese Gedenkeinrichtungen haben ihre Berechtigung. 
Was wir in Panketal jedoch nicht haben, ist ein schöner Brunnen. Gerade vor dem Rathaus würde sich ein solcher, nach meiner Ansicht, wunderbar anbieten. 
Dafür könnte man sogar die beiden gespaltenen Steine verwenden. Aus deren Mitte könnte sich eine Wasserfontäne bis kurz über die Steine erheben, dort trichterförmig auseinander fallen und über die beiden Hälften ergießen. Um die Steine könnte ein flaches Wasserbecken entstehen, das nur  ca. 40 cm hoch mit Wasser gefüllt ist. Das ablaufende Wasser von den Steinen wird darin wieder aufgefangen. Der Rad des Beckens sollte mit einer Sitzgelegenheit aus Stein oder Holz zum Verweilen einladen. So etwas empfinden Kinder interessant und bei Temperaturen, wie wir sie zurzeit  hatten, lädt der Brunnen zum Verweilen ein. Auch die Gäste aus dem Kaffee werden den Anblick als angenehm empfinden. Der Brunnen würde auf jeden Fall positiver auf die vorbeikommenden Menschen wirken als ein Gedenkstein und dazu beitragen, dass sich die Menschen in unserem Panketal wohl fühlen. 
Eine Anregung meinerseits ist, dass man den Bürgern einen Vorschlag von Seiten der Gemeinde über die Gestaltung des gesamten Areals vor dem Rathaus zur Diskussion unterbreiten sollte, damit diese Fläche und das erworbene Bahnhofsgebäude anziehend und interessant wird.
Der Vorschlag entstand nicht nur aus der einen Ansicht, sondern entwickelte sich bei mir mit daraus, dass ich bei einer ganzen Reihe von Gesprächen mit anderen Bürgern feststellte, sie ebenfalls, aus verschiedenen Gründen, die Aufstellung des Gedenksteines ablehnen.
Deshalb unterbreite ich diesen Vorschlag, damit die Abgeordneten auch aus einen anderen Gesichtswinkel noch einmal die Gestaltung der Fläche vor dem Rathaus diskutieren, bevor sie einen Beschluss darüber fassen.


Beitrag von Rose Schulze, eingestellt am 4.8.2009
Gedanken  zum Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz:
 
Es gbt Plätze an denen man innehält, an denen man nachdenkt oder träumt, über die man schnell hinweg läuft ohne rechts oder links zu sehen, auf manchen fühlt man sich wohl , auf anderen bedroht.
Ein Bahnhofsvorplatz ist ein Ort an dem man vielleicht einen Kaffee trinkt oder auf jemanden wartet. Die Zeit ist meist begrenzt und die Gedanken mit anderen Themen befaßt.
Bahnhofsvorplatz und Amtsgebäude - Vorplatz sind bei uns identisch und so überlagern sich Anliegen. Denkmäler sollten an einen Ort an dem Besinnung möglich ist. Schon das Denkmal auf der Verkehrsinsel unseres Dorfangers wünschte sich einen solchen  Ort.
Wo waren die ersten Versammlungen im Ort, wo hat man sich wirklich Gedanken gemacht um unsere Zukunft ? Vielleicht sollte eine Tafel an diesem Platz an jene Wochen erinnern. Waren wir denn der Ort der großen Vorkämpfer für eine neue Zeit? Schaffen wir doch schöne Orte der Gemeinsamkeit an denen sich Menschen heute begegnen können. Schauen wir besser nach vorn es gibt viel zu tun.
 
Investieren wir in die Zukunft.

Rose Schulze


Beitrag von Dieter Schwertner eingestellt am 3. August 2009
In den bisherigen Beiträgen sind auch interessante Gedanken geäußert worden, welche ich gern aufgreifen möchte, wie der Wunsch nach einem Brunnen oder Wasserspielen. Dies ist nicht neu, doch sehr verständlich, begrüßenswert und besitzt eine hohe Attraktivität.
Gerne nehme ich dies auf und möchte versuchen zu beschreiben, wie ich, angeregt durch die Diskussion, mir die Gestaltung des Platzes vorstelle.
Der Gedanke baut sich auf den Namen unserer Gemeinde auf „Panketal“.
Die Panke gab nicht nur unserer Gemeinde den Namen, sie steht auch für einen Stadtteil von Berlin „ Pankow“.
Nun entspringt die Panke (Pankeborn) auf Bernauer Gebiet, durchläuft unsere Gemeinde, um dann auf ihrer Reise auch die ehemalige Grenze überschreitend in der Spree mündet. Somit kann dies als eine interessante Verbindung zwischen Regionen sogar Ländern, sowie auch historisch betrachtend gesehen werden.
Ich mache kein Geheimnis daraus, zu sagen, ich stehe zu dem Denkmal.
Warum verbinden wir nicht beide Gedanken, Wasser und Stein?
Den Lauf der Panke und den Verlauf unserer eigenen Geschichte?
Unterhalb der Stahlplatte auf dem der Marmorstein ruht, bilden wir den Pankeborn nach, dort sprudelt das Wasser hervor.
Der Verlauf der Panke durch unsere Gemeinde, kann durch einen künstlichen Verlauf des Wassers, zum Beispiel über sogenannte Kaskaden in einem Bogen um den bereits vorhandenen noch Jungen Baum (ein Symbol für unsere grüne Gemeinde) geführt werden, um dann letztlich in der Tiefe zu versiegen und erneut seine Reise anzutreten. Der Feldstein soll im Entwurf des Denkmales ebenfalls eine Verbindung zu unserer Region herstellen. Dieser kann seinen Platz im sogenannten Bachlauf finden. Das Wasser der Panke umspült ihn sozusagen und stellt einen zusätzlichen Blickfang dar.
Beide Verläufe, der Weg des Wassers und der symbolische Weg aus Feldsteinen verlaufen dann interessant gegenläufig in einem Bogen.
Wo der sogenannte Feldsteinweg den nachempfundenen Verlauf der Panke kreuzt, ist eine Art Brücke durchaus vorstellbar.
Wenn wir unser Wappen betrachten, erkennen wir wiederum die Panke und eine Brücke!  
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie diese Anlage zu einer Bereicherung unserer Gemeinde wird und das Verweilen im Kaffee noch angenehmer wird.
Kinder können am Wasser spielen, andere sitzen auf einer Bank.
Zwischen dem Kaffee mit seinen Tischen und der Straße könnte sich ein kleiner Grüngürtel aus  Bäumen, zu einer Pergola geformt, ziehen.
Bleibt noch zu überlegen, wie wir den Raum am Bahnhofsgebäude gestalten wollen?
Ich werbe also für die Umsetzung des Kunstwerkes zum Gedenken an das Jahr der Deutschen in einer erweiterten Form.
Dieter Schwertner 


Beitrag von Frau Moukahal vom 29.7.2009
Sehr geehrte Frau Jansch, die Idee von Herrn Fornell, einen Brunnen aufzustellen ist phantastisch. Bänke, Blumen und ein Springbrunnen, das ist ein würdiger und schöner Rathausvorplatz.
Ein Denkmal zum Jahrestag der friedlichen Revolution kann im ehemals geteilten Berlin aufgestellt werden. In Panketal sehe ich bisher keinen so direkten Bezug zu diesem Thema.
Der Rathausvorplatz besteht schon aus sehr viel Beton und Stein, da fehlt eher eine Auflockerung.
Mit freundlichen Grüßen
Ines Moukahal


Beitrag von Rainer Fornell, eingestellt am 23.7.2009
Als Bürger(meister) und Nutzer des Rathauses Panketal habe ich natürlich auch ein Interesse an der Art und Weise der Gestaltung des Rathausvorplatzes. Mir gefällt der Gedanke eines nützlichen Gedenkens, wie es im Gedicht „Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin“ von Bert Brecht zum Ausdruck kommt, sehr gut. Schon längere Zeit erwähne ich hier und da mal die Idee eines Brunnens – bisher ohne große Resonanz. So ein Brunnen zieht die Menschen (vor allem die Kinder) an. Ähnlich wie ein Lagerfeuer auch immer Menschen fasziniert und innehalten lässt. 
Es gibt begehbare, ebenerdige  Brunnen bzw. Wasserspiele, die Kindern (aber auch Erwachsenen) enorm viel Spaß bereiten. Dort hält man sich gern auf. Im Familiengarten in Eberswalde ist ein solcher. Die Kinder können im Sommer durchlaufen, das Wasser kühlt und erfrischt den Rathausvorplatz der gegenwärtig eine minimale Aufenthaltsqualität hat. Wer im Cafè Madlen sitzt, kann sich am Plätschern erfreuen und die anderen beobachten. Es könnte eine fast südländische Gelassenheit und Lebensfreude entstehen. Vielleicht „schwappt“ die dann sogar ins Rathaus über?
Also die friedliche Revolution und deutsche Einheit ehren mit einem Gedenkbrunnen bzw. Wasserspiel, das wäre mein Vorschlag.
Wem das nun etwas zu praktisch gedacht ist, dem kann man ja eine „Brücke“ bauen, indem man das schöne Gedicht von Bert Brecht als Inschrift anbringt und erklärt, warum hier kein lebloser Stein steht, sondern ein plätschernder Brunnen. So ein Brunnen hat auch eine gewisse Leichtigkeit gegenüber einem tonnenschweren Stein. Außerdem könnte man dem Brunnen den sinnfälligen Namen „Alles fließt“ geben und damit wiederum eine Brücke zu den gesellschaftlichen Veränderungen schlagen. Vielleicht (ganz bestimmt) ist ja die friedliche Revolution und die deutsche Einheit noch nicht das Ende der Geschichte. Wenn man nun zu diesem zugegebenermaßen sehr pragmatischen Lösungsansatz noch einen geschichtspädagogischen Aufklärungsaspekt hinzufügen möchte, dann könnte man einen Außenmonitor installieren, der von Panketaler Bürgern mit Gedanken zur deutschen Einheit, zur Nation, zur eigenen Geschichte etc. quasi fortlaufend fortgeschrieben wird. Die Beiträge und Gedanken zum Thema werden wie in einem Blog eingestellt. Damit wäre auch verhindert, dass es nur ein zyklisches Gedenken gibt, was immer zu Jahrestagen aktiviert wird. Die Einträge kann man an Ort und Stelle nachlesen und natürlich wie bei einem Blog auch im Internet. Man könnte damit den ständigen Fortentwicklungsprozess und die sich wandelnden Einstellungen zum Thema Nation, Freiheit, Einheit etc. dokumentieren. Übrigens ist m.E. allein schon die ggw. laufende Diskussion ein lohnendes Ergebnis dieses Jahrestages. Vielleicht ist ja die Debatte sogar wertvoller als das wie auch immer geartete Ergebnis. In diesem Fall stimmt der Ausspruch "Der Weg ist das Ziel" mal ausnahmsweise. Es kann meines Erachtens also dauern, ohne dass es schädlich wäre. Wenngleich, über einen Brunnen im Jahr 2010 würde ich mich schon freuen.
Was nun das Gedenken betrifft, so ist das Anbringen von Gedenktafeln (vielleicht mit Fotos) eine sinnhafte Idee. Mir fallen drei mögliche Standorte mit Themenbezug ein. Natürlich das heutige Seniorenheim, das zu DDR-Zeiten zentrales Aufnahmeheim des MfS war. Sodann die Meldestelle in der Möserstraße. Hier gab es 1989 lange Schlangen als man sich kurzzeitig nach Visa anstellte. Zuvor dürfte mancher Rentner dort seinen Antrag auf Besuch der Westverwandtschaft abgegeben haben. Schließlich der Genfer Platz. Hier befand sich eine DDR-Grenztruppenbaracke, von der aus die Kontrollposten zum Beispiel an der Goethestraße oder an der Bucher Chaussee besetzt wurden. 
Ansonsten bin ich selbst bereit und interessiert für moderierte Gesprächsrunden, bei denen sich die Bürger erzählen, was, warum und wie sie vor 1989 gedacht und gehandelt haben und wie sie das heute sehen.
Rainer Fornell


Beitrag von Herrn Bonn, eingestellt am 23.7.2009
Einige Fragen zum Denkmal: Friedliche Revolution 1989
Zuvor: Man möge mir die Vergröberungen, Verallgemeinerungen und Akzentuierungen verzeihen. Für eine allumfassende Darlegung, zumal die fachliche Historie angeschnitten wird, bleibt zu wenig Raum und Zeit. Um die Diskussion sowohl tief als auch breit zu führen, frage ich mich:
Womit hat sich Panketal beziehungsweise seine damaligen territorialen Teile in der sogenannten „Friedlichen Revolution“ hervorgetan, dass gerade hier ein Denkmal (auf etwas DENK-würdig hinweisend) vorstehen muss? 
Leipzig hat man schon mal gehört… Auch der Alex in Berlin machte von sich reden. Von Panketal ist mir nichts bekannt.
Schon dreimal gab es eine Zeit, in der auch im letzten Kuhdorf des Deutschen Reiches ein Denkmal aufgestellt werden „musste“, nicht weil es befohlen wurde, sondern weil man(n) meinte, man könne sich dieser politisch-moralischen „Pflicht“ nicht entziehen.
1866 - 1871: Preußen führt in halb Europa Krieg und (ver)eint sich in diesem Blutsumpf
1914 - 1918: Deutschland führt diesmal in der ganzen Welt Krieg und ehrt seine „Helden“…
1933 - 1945: Überall werden Hitlerbüsten geweiht… Dann müssen Besatzungsmächte einmarschieren, um die Büsten wieder abzubauen.
Hat es sich im soziologischen oder historischen Kontext überhaupt um eine Revolution gehandelt?
Skeptiker, allerdings in der Minderheit (wobei die Wissenschaft nicht das natürliche Biotop für Demokratie und Mehrheitsentscheide ist), meinen, es handle sich allenfalls um eine Konterrevolution, wenn man den materialistischen Etappen- bzw. Epochenbegriff der Geschichtswissenschaft anwendet.
Der hier abgebildete Revolutionsbegriff ist eher ein politischer oder bestenfalls zeitgeschichtlicher. Dieser unsichere Boden kann in die berühmte „nationale Besoffenheit“
münden. Mit ist nicht bekannt, dass sich breite Teile der Bevölkerung in Panketal nach einem Revolutionsdenkmal sehnen oder es vermissen oder eine Bürgerinitiative dazu gegründet haben…
Von einer Ruhmestat oder einer einmaligen Erfolgsstory kann man hinsichtlich der letzten zwanzig Jahre jedenfalls nicht sprechen. Es sah manchmal eher danach aus, als wenn sich breite Massen der Ostdeutschen, vorsichtig ausgedrückt, resigniert ab“wende“ten.
Es gab und gibt tiefe Wunden und bis heute nicht wenige sogenannte Verlierer der Einheit. Auch wenn die keine Jubelpresse zur Verfügung haben, existieren diese, vorsichtig ausgedrückt,  Skeptiker.
Aber auch das ist eher eine politische Frage. Panketal ist offensichtlich nicht repräsentativ aber für sich genommen ein Wendegewinner. Die Menschen, die hier massenhaft gebaut haben, haben sprichwörtlich „aufgebaut“. Insofern gab es den Aufbau Ost hier tatsächlich. Wie schon erwähnt: Dies ist die Ausnahme. Und von denen gibt es nicht viele.
Diesen historischen Umstand mit dem geografischen Zufall Panketal zu verbinden und ein „denk“würdiges Verdienst in Stein zu meißeln, erscheint mir fraglich.
Das Attribut „Friedlich“ ist ein historischer Pleonasmus. Alle Revolutionen sind in der Regel friedlich. Ihr Merkmal ist ja gerade die massenhafte Unterstützung der Umwälzung. Die blutigen Bilder, die wir mit Revolutionen verbinden, entstammen einer ungenügenden Begriffsscheidung von Putsch, Aufstand und Revolution, und einem kultiviertem Geschichtsheroismus, der nicht die Wirklichkeit abbildet. Einen Sturm auf die Bastille in Paris hat es, wie wir heute wissen, nie gegeben. Ebenso den Sturm aufs Winterpalais in Petrograd nicht.
Ist dementsprechend der gesamte Titel des Denkmals klar durchdacht? Wie definiert sich der Inhalt konkret, und welche Wesenspunkte daraus sollen mit Mitteln der Kunst in eine (Skulptur-)Gestalt übersetzt und für den Bürger denkwürdig werden?
Blutig war immer nur die Konterrevolution beziehungsweise die Abwehr-Reaktion der Revolutionäre. Dies nur ganz kurz.
Der „friedliche“ Verlauf von 1989 ist außerdem kein Verdienst der sogenannten Bürgerrechtler oder Menschen auf der Straße. Wie schon erwähnt, gegen Massenaufstände ist die politische Elite eigentlich immer machtlos. 
Es waren besonnene Generale der Volkspolizei, aktive Mitglieder des ZK der SED (der Großteil war „nicht zu sprechen“ oder „erkrankt“) und örtliche Bezirks- und Stadtvorsitzende (z.B. Berger, Modrow) die eine Gewalteskalation verhinderten (also Vertreter der alten Elite).
Insgesamt würde ich die Frage nach einem Denkmal in eine größzügige historische Distanz verschieben. Zum 50. vielleicht?
Es wird schon peinlich genug, wenn man zukünftig auf dem schönen Radweg zur Ostsee an geschätzten 1254 Denkmälern vorbeifährt, die „1989“ würdigen.


Beitrag zur Denkmaldiskussion von Herrn Hünger, Kämmerer der Gemeinde Panketal
Bei der Diskussion zur Aufstellung eines Kunstwerkes zum Gedenken an den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution von 1989 und der Wiedervereinigung
sowie der Gestaltung des Rathausvorplatzes ist mir folgendes Gedicht aus meiner Schulzeit eingefallen:
Bertolt Brecht - Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin
Oftmals wurde geehrt und ausgiebig
Der Genosse Lenin. Büsten gibt es und Standbilder.
Städte werden nach ihm benannt und Kinder.
Reden werden gehalten in vielerlei Sprachen
Versammlungen gibt es und Demonstrationen
Von Shanghai bis Chicago, Lenin zu Ehren.
So aber ehrten ihn die Teppichweber von Kujan-Bulak
Kleiner Ort im südlichen Turkestan:
Zwanzig Teppichweber stehn dort abends
Fiebergeschüttelt auf von dem ärmlichen Webstuhl.
Fieber geht um: die Bahnstation
Ist erfüllt von dem Summen der Stechmücken dicker Wolke
Die sich erhebt aus dem Sumpf hinter dem alten Kamelfriedhof.
Aber die Eisenbahn, die
Alle zwei Wochen Wasser und Rauch bringt, bringt
Eines Tages die Nachricht auch
Daß der Tag der Ehrung des Genossen Lenin bevorsteht,
Und es beschließen die Leute von Kujan-Bulak
Arme Leute, Teppichweber
Daß dem Genossen Lenin auch in ihrer Ortschaft
Aufgestellt werde die gipserne Büste.
Als nun aber das Geld gesammelt wird für die Büste
Stehen sie alle geschüttelt vom Fieber und zahlen
Ihre mühsam erworbenen Kopeken mit fliegenden Händen.
Und der Rotarmist Stepa Gamalew, der
Sorgsam Zählende und genau Schauende
Sieht die Bereitschaft, Lenin zu ehren, und freut sich
Aber er sieht auch die unsicheren Hände.
Und er macht plötzlich den Vorschlag
Mit dem Geld für die Büste Petroleum zu kaufen und
Es auf den Sumpf zu gießen hinter dem alten Kamelfriedhof
Von dem her die Stechmücken kommen, welche
Das Fieber erzeugen.
So also das Fieber zu bekämpfen in Kujan-Bulak, und zwar
Zu Ehren des gestorbenen, aber
Nicht zu vergessenden
Genossen Lenin.
Sie beschlossen es. An dem Tage der Ehrung trugen sie
Ihre zerbeulten Eimer, gefüllt mit dem schwarzen Petroleum
Einer hinter dem anderen hinaus
Und begossen den Sumpf damit.
So nützten sie sich, indem sie Lenin ehrten und
Ehrten ihn, indem sie sich nützten, und hatten ihn
Also verstanden.
Wir haben gehört, wie die Leute von Kujan-Bulak
Lenin ehrten. Als nun am Abend
Das Petroleum gekauft und ausgegossen über dem Sumpf war
Stand ein Mann auf in der Versammlung, und der verlangte
Daß eine Tafel angebracht würde an der Bahnstation
Mit dem Bericht dieses Vorgangs, enthaltend
Auch genau den geänderten Plan und den Eintausch der
Leninbüste gegen die fiebervernichtende Tonne Petroleum.
Und dies alles zu Ehren Lenins.
Und sie machten auch das noch
Und setzten die Tafel.
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Vor diesem Hintergrund finde ich es überlegenswert, nicht unbedingt zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution von 1989 ein Denkmal errichten zu wollen.
Man könnte das Jubiläum vielleicht alternativ dazu zu nutzen, von Seiten der Gemeindevertretung im Oktober mit den Schülern Panketals  in Podiumsdiskussionen zum Beispiel über die Themen "Deutsche Einheit" oder  "Friedliche Revolution 1989" oder "Deutsche Nation" in´s Gespräch zu kommen. Eventuell könnten auch interessierte Panketaler Bürger und externe Prominente aus Sport, Kultur, Wissenschaft und Politik für diese Diskussionen gewonnen werden.
Über das Kunstwerk auf dem Rathausvorplatz könnte man dann vor einem längeren Zeithorizont später entscheiden.
Mit freundlichem Gruß
Jens Hünger
aus dem Rathaus Panketal, 16.7.2009